Archive for the ‘Der Mensch’ Category

Ende der Nacht

August 14, 2022

Nachttage

August 12, 2022

Je älter man wird, desto mehr wird die Nacht zum Tag. Leider aber nicht der Tag zur Nacht, denn so herum ist es weitaus schwieriger, zumindest für einen, der nicht im Hellen müde sein kann, und somit fehlt dann etwas. Man kann ja menschliche Wesen nicht losgelöst von den Realitäten, in denen sie leben, betrachten. Ein Freund, ein wahrer Schnell- und Gernreiser, hat wenig bis gar keine Probleme auf der Stelle und überall einzuschlafen. Einmal war er im Winter aus dem Süden nach dem kalten Berlin gereist und fand im Zimmer nur ein Bett ohne Bedeckung vor. Er berichtete mir, wie immer besorgt als ginge es um eine Nacht auf Bahngleisen, am morgen dann völlig entspannt, dass es der „olle“ Teppich auch als Decke getan hätte. Ich musste zucken, denn die Vorstellung mich in einen verflohten festen Teppich winkeln, um darin eingerollt, eine Nacht schlafend, gegen all die Fasern gepresst, verbringen, zu müssen, löste in mir ein merkwürdiges Gefühl von Steifheit aus und auch die Müllabfuhr spukte plötzlich in meinem Kopf umher. Nicht jeder kann ohne in ein Szenario zu geraten, das nichts mit Abfallprodukten zu tun hat, mit solchen Lösungen gut auskommen. Der, der im Teppich gelegen hatte, hatte jedoch keinerlei Probleme in dieser Hinsicht gehabt. Mich erfüllt das bis heute mit Neid, denn Teppiche gab es nun wirklich, im Gegensatz zu flauschigem Daunenzeug und anderen angenehmen Weichheiten, ja wirklich überall.

© Bettie I. Alfred, 12.8.22

Ich, ein Gestell im Theater Leben

August 10, 2022

Auch wenn der Mensch erst einmal lange wie ein nasser Kater durch den Regen irren muss, um einmal dorthin zu kommen, wo er hinwill, ist er durchaus ein Tier mit Geist. Fange mit fast der Hälfte von 100 Jahren Lebenszeit an zu rauchen. Dachte lange, dass mir das nicht stünde, aber nun ist man eine Art Gestell, das sowieso alles gut festhalten kann. Muss an ein kosovarisches fünfjähriges Mädchen denken, der in jenem zarten Alter durchaus so ein Stumpen im Mundwinkel gestanden hätte. Das Mädchen gehörte (im Wohnheim) zu den „Zigeunern“. Die anderen fühlten sich als die „Besseren“. Ich tat alles daran alle unter einen Hut zu bringen… Olga half durch ihren tatsächlich erst fünf Jahre alten Charme. Sie war uns allen voraus, besonders denen, die meinten etwas Besseres zu sein. Es kümmerte sie einen sogenannten Dreck.

Zerteilt wird es sinnfrei

August 8, 2022

Leider versehentlich ein Notizbuch mit Karomusterung gekauft.
Ich mag eigentlich nicht gerne auf Karos schreiben, es stört die Worte und zerteilt sie sinnlos. Doch jetzt extra ein neues Notizbuch kaufen und wohin mit dem alten? Ich gehe in der Dunkelheit auf den Balkon und staune dann, man sieht die Sterne, ganz klar und deutlich. Das hatte ich im Bett liegend nicht geahnt. Gehe dann wieder ins Haus, der Himmel… dann doch zu weit entfernt. Die Nächte im Sommer sind immer sehr friedlich. Zumindest hier. Andernorts ist alles anders. Das Ziel von Erziehung muss sein die Aggressionen der heranwachsenden Menschen soweit in den Griff (in ihren eigenen Griff) zu bekommen, dass am Ende keinerlei Krieg und Destruktivität im Vordergrund des Zusammenlebens steht. Man sollte, so Wilhelm Reich, das blosse destruktive Agieren in eine gekonnte Aggression umlenken. Gekonnte Aggression, ein starker Begriff, wie sieht so etwas aus? Zumal das Unbewusste doch niemals zweifelt. Beim barfuss über eine Wiese laufen, eine sehr schön dicht bewachsene, meine ich, keine gelbe hügelige, bin ich erstaunt darüber, wie schön sie, die Wiese sich doch anfühlt. Nach Jahrzehnten des beschuhten Fusses eine wunderschöne Erfahrung. Wenig ist oft viel.

© Bettie I. Alfred, 8.8.22