Archive for the ‘Der Mensch’ Category

Am Ende – ein Rennauto

Juni 24, 2022

In der Schlinge eines künstlerischen Stils eingefangen, werden die Ereignisse im Universum neutralisiert. Das meint Sartre. Ich sitze unter Wolken in einem Garten und denke über diesen Satz nach. Es ist ein wenig frisch, dann bricht die Sonne heraus und es ist bullig heiss. In der Schlinge eines künstlerischen Stils… Das trifft den Kern, doch ist es ein Problem? Im Grunde nicht. Wieder Zuhause halte ich dann aus purem Vergnügen den Kater wie eine Gitarre, also strecke seinen Hals mit der linken Hand ganz lang, so wie als sei er ein Griffbrett und am Bauch schlage ich mit rechts imaginär die Seiten. Er ist verwirrt und regt sich vorerst nicht, doch dann merkt er, dass er zur Freude der Menschenfrau fehlbenutzt wird und beisst zu. Ich lasse ihn frei und verarzte mich. Obwohl er nur noch wenig Zahnsubstanz hat, kann er noch kraftvoll zubeissen. Er ist dann weiterhin zornig und weicht mir aus. Früher hätte man Brom verabreicht, zur Beruhigung. Ein Nachbarjunge der im Stimmbruch ist, telefoniert sehr laut im Hof. Ein einziges Gekrächze ist das. Im Lexikon der Fremdworte steht, dass Stimmbruch Mutation bedeute. Um dem Gefühl der Alterung etwas entgegenzusetzen versuche ich mich wenig zu bewegen. Die Rückenknochen scheinen abgewetzt zu sein. Früher bin ich gelaufen. Also gerannt. mehrere Kilometer am Stück. Beim ersten Mal Lauftraining war ich gleich ungeschickt in einen Hundeberg gerannt. Der Mann hat dann mit einem Zahnstocher die Rillen im Schuh wieder frei gekratzt. Das hat Stunden gedauert und ich wusste lange Zeit gar nicht wo er ist. Suchte ihn dann, um mit ihm ins historische Kino zu gehen, wo ein alter Fernsehfilm wiederaufgeführt werden sollte. Weil ich dann zu nah dran saß, machte mir die grobe Körnung des alten Filmmaterials schließlich Kopfweh. Ich musste nach hinten fliehen und stürzte eine kleine Stufe hinunter, weil ich im Dunkeln nichts gesehen hatte. Da alles mit Teppich ausgelegt war, fiel ich zum Glück relativ weich und musste lediglich kurz lachen. Ein freundlicher Herr dachte ich sei verletzt und mein Lachen ein Weinen und eilte herbei um zu verarzten. Ich flüsterte weiterhin liegend, um niemanden zu stören, dass nichts passiert wäre. Er sagte er sei Arzt und wollte mich betasten wegen eines möglichen Bruches. Dann realisierte er, dass mein Weinen nur ein Lachen gewesen war und zog sich schnell wieder ins Dunkle zurück. Ganz hinten war es dann mit der Sicht kurz besser, doch hier war nun der Ton zu leise. Im Film ging es um eine Frau aus Ostdeutschland, die in den Westen gehen darf und sich in dessen Dekadenz nicht zurechtfinden kann. Der sehr junge Hugo Balder war im Film ein Statist und rauchte eine Zigarette auf dem Arbeitsamt mit ihr. Ein Höhepunkt. Dann redete man kurz von dem Stasi. Das erinnerte mich daran, wie mir mein Vater als ich ein Kind gewesen war Heidi im Original vorgelesen hatte. Da hiess es auch nicht die Heidi, sondern das Heidi. Ich ging dann verfrüht heim und zu Hause war ich dann allein mit dem Tier. Das Tier war dann offensichtlich enttäuscht, weil ich so schnell schon wieder da gewesen war und sauste im Moment, wo ich es begrüsste, um die Ecke. Ich las dann noch in einem grünen Buch. Es handelte eigentlich vom Leben eines Kunstsammlers, der auch Psychiater gewesen war, doch am Ende, an dem ich dann angelangt war, ging es mal wieder nur noch um die Rennautos, die er gerne besitzen würde.

© Bettie I. Alfred, August 2021

Unsinnsüberschätzung

Juni 21, 2022

Entdecke bei einer Verwandten, wo ich Blumen giessen muss, obwohl die Blumen alle bereits vertrocknet sind, ein Buch namens Lob des Unsinns. Es wird aussen angekündigt, dass man darin lesen könne, was Kant, Tieck und ein Blaubart über das Thema Unsinn zu sagen hätten. Ich nehme das Buch mit, ohne dass ich frage, ob es genehm ist, dass ich es nehme, denn es ist ja niemand da, den ich fragen kann. Den Schatz in der Tasche, bekomme ich Angst, daß genau dieses Buch, es dann sei, was die Blumenausrotterin, nach der Rückkehr sofort lesen wollen könnte. Dazu muss man sagen, dass ich niemanden in der ganzen Welt kenne, der so viele Bücher, ich denke es sind an die 15.000 Exemplare, besitzt, wie diese Person und weshalb es wirklich unwahrscheinlich ist, dass sie genau dieses Buch in Angriff nehmen würde, gleich wenn sie zurück wäre.
Am Abend dann der genüssliche Aufschlag des gebundenen strahlend blauen Bandes. Ziemlich schnell dann ein Gefühl der Überforderung. Plötzlich sogar wildes Chaos im Kopf. Nur ein Satz bleibt stehen und ich notiere ihn schnell, denn die Vergesslichkeit ist enorm, besonders am Abend:
Der Enthusiasmus ist in seiner zügellosen Form durchaus mit dem Wahnsinn zu vergleichen, im Vergleich zum Genie ist er jedoch kein Vermögen, sondern lediglich ein Affekt der wackeren Art.
Der Begriff Affekt der wackeren Art gefällt mir so sehr, dass ich fröhlich werde, trotzdem ich Schwierigkeiten habe meinen offensichtlichen Diebstahl emotional zu verarbeiten.
Am nächsten Tag klingelt das Telefon, der Vater ist dran, der Mann der Blumenausrotterin. Sie seien wieder da! Ich sage erstmal nichts, erwarte, dass er mich auf die Lücke im Regal der Blumenausrotterin hinweist. Es folgen dann viele Dinge, doch keine Lücke wird erwähnt. Kaum habe ich aufgelegt, erwarte ich tagelang einen erneuten Anruf. Es folgt jedoch keiner. Ich lese dann ab und zu mal im Lob des Unsinns weiter und habe irgendwann dann eine große Wut auf das Buch namens Lob des Unsinns. Man macht Unsinnigkeit oder nicht, alles andere interessiert keinen. Über den Sinn von Unsinn zu philosophieren ist Unsinn.
Ich lege das Buch beiseite, ich hatte es deutlich überschätzt.
Hermann Burger hatte so recht, es ist und bleibt die grösste Aufgabe eine Gehirnfurche in der Weltgestalt zu hinterlassen. Dies haben Kant und Tieck und dieser Blaubart ( bisher dachte ich der sei lediglich eine Romangestalt) natürlich geschafft.


© Bettie I. Alfred, Sommersonnenwendetag 2022

Fegen

Juni 18, 2022

Siebkopf

Juni 17, 2022

Wie auch Morton Feldman, der, der so schön mit wenigen Tönen komponierte, bin auch ich vom Exakten Ungefähren begeistert bzw. geht es mit meinem Siebkopf nicht anders, als diese Kategorie als die meinige zu bezeichnen. Anstatt Gedächtnistraining zu machen, jongliere ich mit viel zu grossen Plastikbällen herum und meine, daß auch diese Art der Bewegung dem zerfaserten Geiste helfe. Tut sie ja vielleicht auch. Schaue ein Video an, wo ein gut sortierter Kafkaspezialist jenen frei zitiert und sowieso auch famos spricht. Ich will das auch können, bin aber ein anderes Kaliber Mensch, ohne Sortierungsfähigkeiten. Das berühmte Chaos im Kopf ist mein Ein und auch mein Alles. Von Interviews werde ich somit befallen und nicht danach gefragt. Je konkreter die Frage, desto vielspuriger meine Antwort und somit entsteht nur ein Haufen Nichts und nicht einmal Musik. Ich verachte zwar die sortierte Natur, doch mit Gedanken würde ich gerne einmal so umgehen lernen und sie in Schubladen stecken, wo sie solange bleiben, bis ich den Startschuss gebe. Mein Hirn eine Art kaputte Schüssel, wo man gerade mal Salat drin waschen kann.

© Bettie I. Alfred, 2022, Juni, der 17.te